Am Donnerstag, nach dem der LKW bepackt ist, brechen wir auf. Es ist 18 Uhr, und wir fahren auf der Autobahn gen Süden. Zebu hat am späten Nachmittag noch einen ausführlichen und verspäteten Mittagsschlaf gehalten und ist jetzt fit und voller Elan. Wir werden minütlich gefragt, wann wir denn da sind und wohin wir eigentlich fahren. Die Kinderlieder-Playlist auf dem iPpod schafft Erleichterung und Ablenkung. Ich träller mit und Marco glühen die Ohren.

Wir fahren über den Brenner, fleißig piepst die teure Go-Box und nach einem Abend Snack übernachten wir bei Egna Ora auf einem Parkplatz neben der Apfelplantage.

Am Freitag Nachmittag erreichen wir dann den Campingplatz Fusina bei Venedig. Er liegt nahe unserem Fährhafen und mit Blick auf die Stadt. Zebu dreht mit seinem Radl eine Runde nach der anderen über den Campingplatz und bewundert immer wieder die vorbei fahrenden Schiffe. Zum Abendessen holen wir uns eine Pizza und dann trudeln Daniel und Marion ein.

Samstag. Wir hören unseren Wecker um 7 Uhr früh. Nach einem Cappuccino und einem Hörnchen in der Campingplatz Bar brechen wir auf, um pünktlich um 9 Uhr zur Einschiffung am Hafen zu sein. Ein paar andere Campingmobile sind schon da, aber natürlich fallen wir gleich auf. Ein Paar aus München will sich uns anschließen, denn sie sind etwas aufgeregt was das Einparken auf der Fähre angeht. Marco und Daniel ergattern gute Plätze mit Meerblick an Deck. Marion, Zebu und ich steigen über die Fußgängergangway zu. Camping an Deck ist schon ziemlich cool, und man spart sich das Zimmer auf dem Schiff. Nach einer Brotzeit und einem Drink dauert es nicht mehr lange und das Schiff legt ab. Auf geht’s in Richtung Griechenland!

Sonntag. Beim Aufwachen sehen wir ganz diesig die albanische Küste vorbeiziehen. Um 14 Uhr ist dann Igoumenitsa erreicht. Das Ausschiffen geht ruck zuck. Die Hafenstadt ist wie ausgestorben. Es ist Sonntag, aber das allein kann es auch nicht sein…Jeder 2. Laden ist mit Packpapier verklebt. Die Läden sind geschlossen. Das ist doch eindeutig die Griechenland-Krise!

Kurze Zeit später sind wir bereits in Albanien eingereist. Zebu macht Länderpunkte im Stundenrhythmus!

Nach wenigen Kilometern, wir fahren bereits „off road“, treffen wir schon auf die erste Schaf- und Ziegenherde. Kurz darauf sind wir an der abenteuerlichen Ponton-Fähre. Wir setzen, für teure 10 Euro, auf die Halbinsel Butrint über.

Auf einem netten Stellplatz bei Ksamil im Olivenwäldchen, mit traumhaften Sonnenuntergang und gegrillten Fleischspießen, beenden wir den ersten Abend in Albanien.

Montag. Wir verabschieden fürs erste Daniel und Marion, die mit ihrem Toyota etwas schneller unterwegs sein werden. Nach einem Bad im Meer, Frühstück und etwas Fußball spielen machen wir uns ebenso auf zur nächsten kleinen Etappe.

Bei Lukova finden wir direkt am Strand einen wunderschönen Stellplatz. Das Meer ist perfekt und der feine Kies, das schimmernd klare, blaue Wasser lässt uns bis Dienstag Nachmittag nicht mehr los! Eine albanisches Paar, das früh am Morgen bereits wilden Thymian und Salbei gesammelt hat, kommt mit ihren zwei Kindern vorbei um mit Zebu zu spielen. Die Jungs, Dimitri und Zebulun haben viel Spaß beim Fangen spielen am Strand und im Wasser. Die kleine Elisabetta plantscht entspannt daneben. Leider kann ich mich mit der Mutter nicht austauschen. Die Sprachbarriere ist zu groß. Nach einem Mittagsschläfchen machen wir uns auf in Richtung Porto Palermo. Auf dem Weg treffen wir zufällig Daniel und Marion wieder, die nun ins Hinterland wollen. Leider ist die Strecke für uns nicht zu machen. Wir sind zu groß, zu breit. Nach einem Mittagessen in einer Taverna parken wir unseren LKW auf dem Campingplatz Kranea. Wir tanken frisches Wasser und nutzen die Dusche sowie das Internet. Der urige Campingplatz-Nachbar Max aus Ebersberg gibt uns noch Tipps für die nächsten Tage. Und zum Abendessen lassen wir uns eine gegrillte Dorade schmecken.

Nach dem Frühstück brechen wir auf. Die mitgebrachten Säcke mit Kinderkleidung geben wir bei einer Roma-Familie ab, die nicht unweit neben einer Müllhalde wohnt. Zebulun verteilt Gummibärli und wird mindestens genauso oft von der Romafrau fotografiert wie die Roma Kinder von uns.

Unser nächstes Ziel ist der Loghara Pass. Aber bevor wir diesen erklimmen, machen wir Mittagspause am längsten Strand Albaniens. Das Meer ist unglaublich blau, die Wellen unglaublich stark.

Am Nachmittag genießen wir den tollen Ausblick bereits von weiter oben. Leider finden wir am Abend keinen ansprechenden Übernachtungsplatz. Aber mit etwas Raki und Bier und zusammen mit Freunden ist es nur halb so schlimm. Wir treffen uns wieder mit Daniel und Marion und parken auf einem Parkplatz neben Restaurant und Bar direkt mit Meerzugang.

Zebu spielt mit den Wirtskindern und wir lassen den Abend, nach einem fischigen Abendessen feucht fröhlich ausklingen….

Am Donnerstag tingeln wir in Richtung Berat und nach einem kleinen Stadtrundgang weiter ins Osumit-Tal. Am Fluss finden wir ein nettes Plätzchen für die Nacht und endlich entzünden wir unser erstes Lagerfeuer.

Am Morgen begrüßt uns ein Albaner auf einem Esel und heißt uns in seinem Land herzlich Willkommen. Wir frühstücken Spiegelei und machen uns auf dem Weg in Richtung Corovode. Nach einem kleinen Stop, bei dem wir den Ausblick in die Schlucht genießen, sind wir froh uns für diesen Abschnitt gut gestärkt zu haben. Denn nun geht es Off Road weiter.

Eine anspruchsvolle Strecke für unseren LKW und dessen Fahrer. Eine ächzende Holz-Brücke, schmale, unbefestigte Wege nahe am Abgrund. Aber auch unglaublich schöne Landschaftsbilder. Zebu macht alles tapfer mit, schläft hin und wieder ein Stündchen und irgendwann stehen wir vor einem großen „P“. Ein kleiner Campingplatz mitten in den Bergen. Mitten in der Wildnis. Wir werden herzlichen aufgenommen und sogleich verwöhnt. Espresso, Raki, Schmalzgebäck mit Honig. Was will man mehr?! Wir bleiben natürlich!

Am Abend, Zebu und ich haben bereits Freundschaft geschlossen, darf ich mit meiner neuen Freundin zum Ziegen einholen. 420 Tiere treiben wir den Berg hinunter zum nächtlichen Lager. Nach 1,5 Stunden bin ich erschöpft zurück und glücklich über das leckere Abendessen unserer Gastfamilie.

Idyllisch, wie im Bilderbuch und bei angenehmer Bergluft erwachen wir am Samstag. Zebu reitet gleich mal einer Runde auf dem Pferd und ist ganz glücklich. Wir verabschieden uns und bringen den letzen Teil der Strecke im Nationalpark hinter uns. Am Ende sind wir glücklich und stolz, denn einfach war der Trip ganz und gar nicht!

Nächster Halt, warme Quellen bei Benje. Wir raufen uns um einen Platz im Naturpool!

Zum Ausgleich dieser Massenveranstaltung stehen wir am nächsten Morgen ganz früh auf, und sind die ersten im Wasser. Wunderbar!

Zum Mittagessen erreichen wir das Ausflugsrestaurant Farma Sortira, das auch mit Blockhütten und Forellenzucht aufwartet. Marco holt sogleich die Angel raus um sich das Mittagessen frisch zu angeln. Witzig, denn es dauert natürlich keine 5 Minuten, schon hat er eine Forelle am Haken. Zebu ist ganz „gschaftig“ mit dem Kescher und hilft auch tapfer beim Ausnehmen des Fischleins. Nummer 2 dauert ebenso nur ein paar Minuten und schon heizen wir den Grill an. Hm, schmeckt wirklich köstlich!Wir treffen noch auf nette Schweizer und Österreicher und verbringen den Abend mit ein paar interessanten Reisegeschichten.

Montag. Heute gehen wir frühstücken. Spiegeleier, Schafskäse, Honig, Milch, Kaffee, Tee und köstliches frisches Brot. Danach brechen wir auf in Richtung Korca. Dort parken wir unseren LKW und schlendern durch den Basar. Chinaware in Hülle und Fülle. Es riecht förmlich nach Plastik! Dafür war der Obst und Gemüsemarkt umso schöner. Zebu wird wieder von allen Leuten betatscht und fotografiert. Als dann die Marktfrauen auch noch Küsse verteilen wollen ist es genug und wir gönnen uns noch einen frisch gemahlenen Kaffee und Zebu bekommt ein Eis (geschenkt).

Auf unserem Weg zum Ohrid See bekommen wir Appetit. Als wir dann eine voll besetzte Taverne entdecken halten wir an und essen die bis jetzt beste Grillplatte inkl. Weißwein. Die Männer am Nachbartisch laden uns zu guter Letzt nochmal auf einen halben Liter ein und so haben wir einen kleinen Schwipps mitten am Nachmittag.

Der Campingplatz an der Seepromenade ist Ok und wir quartieren uns ein. Am Abend schauen wir das Deutschlandspiel und nutzen ausführlich den freien Internetzugang.

Dienstag. Weiter in Richtung Mazedonien. Der Nationalpark gleich nach der Grenze überrascht uns mit wildem Bewuchs, tollen Ausblicken auf das klare Wasser des Sees und vielen Serpentinen. Nach einer Stunde erreichen wir den Prespa See. In einer schönen, kleinen Bucht, lassen wir uns nieder. Zebu ist wie immer der erste im Wasser. Den Nachmittag verbringen wir faul am Sandstrand. Hier übernachten wir ohne großes Aufsehen und sind am nächsten Morgen fit für die lange Fahrt nach Griechenland.

Die letzten Tage unserer Reise verbringen wir mit „Urlaub“. Baden, relaxen und die Seele baumeln lassen. Einen kleinen Abstecher auf die Insel Korfu leisten wir uns auch noch und dann geht es schon bald wieder in Richtung Heimat.

Albanien: Wild, ursprünglich und abwechslungsreich kommt dieses Land auf dem Balkan daher. Wer Lust auf off road, Abenteuer und Naturerlebnisse hat ist hier genau richtig. Ob mit dem Fahrrad, dem Motorrad oder einem Geländewagen, alles ist möglich!

Sich einlassen auf fremde Kulturen, Vorurteile abbauen und Neues erleben, das alles macht uns zu offenen Menschen, die auch mal über den Horizont hinaus blicken. Mach gleich heute noch den ersten Schritt! Mach nicht nur Urlaub, sondern Reise!

Vor der Reise bin ich gefragt worden ob wir denn einen Waffe bei uns haben wenn wir nach Albanien fahren. Ich weiß keine einzige Situation in der ich mich nicht vollkommen sicher gefühlt habe. Eine Waffe ist in Albanien nicht nötig, eher ein freundliches Lächeln, offene Arme und vielleicht ein paar Kleiderspenden…

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