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April 2006 bis Mai 2005
Anfahrt über Lindau, Genf, Lyon, Montpellier, Barcelona, Alicante, Granada, Algeciras – 2575km
In Marokko – 3640km
Gesamt – 8840km in 3,5 Wochen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Anfahrt entlang der spanischen Küste . Rein als Transitstrecke gesehen, ist sie nicht wirklich attraktiv. Die erhofften schönen Blicke auf das Mittelmeer enden zumeist an der Rückseite hunderter 70er Jahre Flachbauten. Das kann man sich sparen. Bei einer erneuten Anreise fällt die Wahl mit Sicherheit auf eine Fährverbindung von Genua nach Tanger.

Doch jetzt zu den schönen Seiten.

Nach dem üblichen Gewusel und den verwirrenden Besuchen der vielen Stempelbuden bei Einreisen in arabisiche Länder empfängt uns Marokko mit leichtem Regen.
Die Fahrt geht gen Süden mit grober Richtung Fes. Vorbei am Stausee Barrage Mjaraa, dem angeblich 3. größten Stausee Afrikas.

Fast wie daheim

Fast wie daheim

Stausee Barrage Mjaraa

Stausee Barrage Mjaraa

Unweit des Stausees finden wir einen Übernachtungsplatz. Wenige Minuten später kommen drei Marokkaner des Weges, alle drei jung, besoffen und zugekifft. Letzteres soll im Norden gerne öfter aufgrund der Anbaugebiete vorkommen. Wir werden geküsst, befragt und dann doch etwas zu sehr bedrängt, so dass wir unsere Fahrt abrupt fortsetzen und letztendlich am Strassenrand zwischen zwei Dörfern übernachten.

Gut haben wir geschlafen. Wir wachen mit Schafs-Geblöcke auf, frühstücken an der Theke und machen uns auf den Weg nach Fes, die älteste der vier Königsstädte. Neben Marrakesch, die wohl interessanteste Stadt Marokkos.
Wir übernachten am Camping Diamant Vert, wo wir gleich mit einem Minztee begrüsst werden. Am nächsten Morgen geht mit einem lokalen Führer in die Medina, der uns detailliert das Leben in der Stadt erläutert und uns Einblicke gewährt, die wir wohl alleine nicht bekommen hätten. Die Medina ist riesig, bunt, hektisch, verwinkelt, voller interessanter Gerüche und Waren. Traditionell aufgeteilt nach Handwerks-Zunften. Er führt uns zu Webern, Färbern, Schmieden, Tischlern und natürlich Teppich-Händlern. Die Verkaufsgespräche konnten selbstverständlich nicht ausbleiben und so genießen wir das Handeln bei einem Glas “Marokkanischen Whisky”.

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Gerber-Viertel

Wie ein Wassermalkasten

Wie ein Wassermalkasten

das Endprodukt in breiter Vielfalt

das Endprodukt in breiter Vielfalt

Eingangstor zur Moschee

Eingangstor zur Moschee

Blick ins Innere

Blick ins Innere

Kellner auf einer Dachterrasse

Kellner auf einer Dachterrasse

Wir haben uns für die Route Safsafte – Berkine, im Reiseführer beschrieben als abenteuerlich und landschaftlich fantastische Piste , entschieden. So weit so gut. Über geteerte und geschotterte Strassen, manchmal auch neben der Strasse, weil uns Steinbarrieren den Weg versperren, geht es in das Tal. Manchmal meinen wir mitten durch das Wohnzimmer der Bewohner zu fahren.

STOP - klar, oder?

STOP - klar, oder?

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mini Grand Canyon

mini Grand Canyon

Strasse noch im Bau

Strasse noch im Bau

Zwischen Häuserwand und Abgrund

Zwischen Gartenzaun und Abgrund

Wir geben Zigaretten aus, ziehen einen Laster aus dem Graben, inzwischen wird es kuschelig warm und je weiter wir in das Tal vordringen, desto einsamer wird die Gegend. Irgendwann sind wir uns nach einigen Gabelungen nicht mehr sicher, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Wo geht es bitte nach Berkine?
Ein Hirte versichert uns auf dem richtigen Weg zu sein und es seien auch bestimmt Fahrzeuge auf dieser Strecke unterwegs. Ein abgerutschter Hang und empfindliche Schräglagen mit dem Toyo zwingen uns dann aber doch zur Umkehr.

Wir umfahren die Strecke und machen uns auf den Weg in Richtung Sand – dem Dünengebiet Erg Chebbi.

Moped-Ständer
ab in den Sand

ab in den Sand

Juhu, ab in den Sand. Nur einmal kurz das obligatorische Schaufeln, wie immer bei den ersten Fahrten im Sand, bis man sich wieder an das Fahren gewöhnt hat. Auf der Ostseite  umfahren wir den Erg. Nächtigen einsam in den Dünen auf halber Strecke. Wir genießen den Sand, den Sonnenuntergang und die vielen Fliegen…

Fliegenschutz

Fliegenschutz

Feuerholz wird gesammelt uns als die Sonne langsam untergeht, spazieren wir durch den weichen Sand, den Dünen entlang. Das Lagerfeuer ist das i-Tüpfelchen des Tages.

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Die Sonne geht auf, wirft schönes Licht und Schatten in die Dünen. Wir beenden die Runde um den Erg und machen uns auf zum Markt nach Rissani. Wir sind zu früh und so erleben wir das interessante Geschäftemachen der Grosshändler, die wuselig ihre Waren kistenweise an die Händler verkaufen.

Zwiebel bis zum Abwinken

Zwiebel bis zum Abwinken

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Gewürz-Vielfalt

Gewürz-Vielfalt

Fahrrad-Ersatzteillager

Fahrrad-Ersatzteillager

Tier-Markt

Tier-Markt

Gleich im Anschluß machen wir uns auf die lange Fahrt über die Piste entlang der algerischen Grenze nach Zagora. Im Führer steht, man braucht Allrad und Wüstenerfahrung für die 210km lange Strecke, wo man alle Ausprägungen von Wüstenformen auf kurzer Distanz erleben kann. Beides haben wir und so freuen wir uns schon auf den Weg.
Ab und zu kommen uns kleine Fahrzeuggruppen entgegen, welche die Strecke gemeinsam absolvieren. Wir sind ganz auf uns allein gestellt. Es ist heiß 45°C, immer wieder kommen Nomadenkinder an den Pistenrand gelaufen und bieten Steine, Tücher oder Eidechsen an. Die schmecken uns nicht wirklich und so beschränken wir uns auf den Kauf eines Tuches. Gerne bekommt man auch Wegweisungen und Hilfestellungen für Sandpassagen, die als unpassierbar dargestellt werden. Wir lehnen dankend ab und meistern die Abschnitte alleine.

Nomaden-Mädchen

Nomaden-Mädchen

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Salzsee

Salzsee

Nach einem langen Tag und einer Strapaze für Mensch und Material treffen wir in Zagora ein. Wir gönnen uns zwei Tage auf dem schönen Campinplatz Amezrou und genießen die Palmenoase.

Wohl bekannt - aber nicht mehr original

Wohl bekannt - aber nicht mehr original

Lehm-Verputzung einer Steckdose - und die ging!

Lehm-Verputzung einer Steckdose - und die ging!

Auf dem Weg von Zagora über M’hamid nach Foum Zguid überrascht uns ein Sandsturm. Dichter Staub blässt uns entgegen. Aufgrund des Sandsturms verwerfen wir die Übernachtung in den Dünen. Wir bleiben auf der holprigen Piste, die uns ordentlich durchschüttelt. Ich entdecke eine Ölleckage am vorderen Differential. Am Erg Chebbi haben wir einen verdeckten Stein im Sand überfahren, der genau das Differentialgehäuse getroffen hat. Anscheinend hat die Dichtung doch nen Knacks abgekommen und die Holperei verstärkt die Leckage zusehends. Das Öl tropft immer stärker. Wir machen uns Sorgen die restlichen 90km bis Foum Zguid noch zu überstehen. Wir sind froh, als wir die Häuser am Horizont erblicken. Beim erst besten Mechaniker im Dorf lassen wir uns irgendein Öl ins Differential füllen, Hauptsache es schmiert.
An einem halbwegs windgeschützten Palmengrüppchen schlagen wir unser Nachtlager auf.

Palmenhain

Palmenhain

Wenn der Wind nicht gewesen wäre, hätte das ein Traumplatz sein können.
Am nächsten Morgen ist alles wieder gut und die Sonne weckt uns mit ihren kräftigen Strahlen.

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Heute wollen wir nach Quarzazate, um die Vorderachse reparieren zu können. Wir finden eine kleine Werkstatt. Wir bekommen Minztee und uns wird klar, dass die ganze Geschichte länger dauern wird. Eine komplette Achszerlegung und vier Stunden später machen wir eine Probefahrt. Zuerst klemmt die Diff-Sperre aber nach kurzem Nachbessern sind die 7 Jungs um 900 Dhs (damals 90 Euro) reicher.

Über Nekob, Tizi ‘n’Tazazert geht es nach Boumalne. Eine herrliche Piste führt durch ein grünes Tal, welche sich später schmal in die Berge winden soll. Wir fahren vorbei an den Felsen Monsieur et Madame weiter den Pass in engen Serpentinen bergauf. Bei 2236m ist der höchste Punkt erreicht. Es ist frisch und die Wolken hängen an der Bergseite. Wieder im Tal finden wir ein Plätzchen zum Übernachten.

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Morgentoilette

Morgentoilette

Von der Dades fahren wir die Piste zur Thodra Schlucht. Erst weit und gut befahrbar wird die Piste später schmal, mühsam und steil. Die Landschaft ist atemberaubend. Auch hier etwas abseits treffen wir immer wieder auf Nomaden und sogar eine französiche Offroad-Ente.

Andere Dimensionen

Andere Dimensionen

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Wir besuchen das Rosenfest in El Kelaa M’Gouna. Selten zuvor haben wir so ein Gewusel und Gedränge erlebt. Wie ein großer Jahrmarkt voller Rosenprodukte. Es gibt alles von der Blüte bis zum Rosenshampoo. Überall steigt Rauch aus den Strassengrills auf und im Stadion steigt ein Pop-Konzert. Wir haben das Gefühl ganz Marokko ist in der Stadt.

Von hier aus fahren wir nach Marrakesch.

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Der Campingplatz ist laut, staubig und wenig ansprechend und war alles andere als leicht zu finden. Per Taxi fahren wir in die Stadt und stürzen uns ins Getümmel. Die Gassen sind schmal und voll mit Geschäften. Ausführlich bummeln wir durch die Souks, handeln wie die Weltmeister und haben Spass an unseren Eroberungen. Besonders fasziniert hat uns das Schmiede-Viertel mit deren freundlichen Arbeitern.

Schmiede

Schmiede

Der Hauptplatz - Djemaa el Fna - Platz der Geköpften

Der Hauptplatz - Djemaa el Fna - Platz der Geköpften

Über die Kaskaden von Ouzoud fahren wieder gen Norden und machen uns auf den Weg nach Hause. Wieder warten über 2500km auf uns.

Eins ist klar: Wir kommen wieder.

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